Der Gevatter
Da sass ich nun , und hielt ihre Hand die kalt war wie Eis Ich versuchte mich so wenig wie nur möglich zu bewegen und beschränkte mich darauf meinen Blick im Schlafzimmer der alten Dame umherschweifen zu lassen.Das was ich sah, brachte mich ins grübeln.Ärmlich kam es mir vor - nur das nötigste."Herjeh " , dachte ich mir in diesen langen Leben muss sich doch einiges angesammelt haben und seis nur Kirmskrams, aber wohin ich auch blickte, ich sah nur das was der Mensch zum leben braucht.Kein Schnickschnack keine Erinnerungen - nichts.Ein altes Klavier beherrschte den Raum .Es stand da , wuchtig und dunkel - kaum zu erkennen im dunklen Zimmer und ich malte mir aus wie die alte Dame daran sass und spielte.Der Klavierocker indessen diente als Nachtkästchen, war dazu umfunktioniert worden.Eine Tasse Tee stand darauf .Auch das schien mir seltsam - ständig hatte ich ein wachsames Auge auf die Teetasse , immer auf der Hut und befürchtend das sie jeden Moment herunterfallen könnte.
Die alte Dame seufzte und sofort heftete sich mein Blick wieder auf sie.Nein, sie war nicht erwacht sie schlief.Einen künstlichen Schlaf hervorgerufen durch die starken Medikamente und das Morphiumpflaster.Sinnend erkundete ich ihr Gesicht das fast faltenfrei war.Schön musste sie gewesen sein denn ein Hauch dieser unvergänglichen Schönheit lag noch auf ihrem Gesicht.Eine zierliche , fast zerbrechliche Person mit feinen Zügen .Aristokratisch .Lange beobachtete ich sie im Schlaf .
Irgendwann, ich kann nicht mehr sagen wann und wie lange ich so sass , da wurde ich abgelenkt .Eine Präsenz war ins Zimmer getreten.Erst dachte ich an die Tochter , aber ich hatte die Zimmertüre gut im Blick und nein, durch die Türe war keiner gekommen .Und doch , ich wurde mir gewahr das sich der Raum sichtlich abgekühlt hatte und ich spürte dieses Ziehen im Nacken das mir sagte :" du bist hier nicht mehr alleine."
Ich drehte mir sachte zur Seite fühlte das in der hinteren Ecke jemand stand .Kniff meine Augen zusammen konnte aber nichts erkennen.
Die alte Dame bewegte sich stammelte ein paar zusammenhangslose Worte, wurde ein wenig unruhig und das Deckbett rutschte ihr von den Beinen.Behutsam deckte ich sie wieder zu.Kalt sie war eiskalt.Ich strich ihr sanft über den Arm , stand auf und ging in die Küche um frischen Tee aufzubrühn.Wenn sie erwachte würde sie warmen Tee wollen.Sie mochte nur warmes .Zurück im Schlafzimmer stellte ich das Tablett mit der Tasse und der Termoskanne auf das Klavier und bewegte mich leise wieder in Richtung Bett. Das Zimmer war wie immer dunkel nur eine Strassenlaterne schien von weitem durchs Fenster und erhellte den Raum ein kleines bischen. Es machte mir nichts aus im dunkeln zu sitzen , mir war es wichtiger das sie schlafen konnte und ich hatte mir sagen lassen, das sie bei Licht nur unruhig schlief.
Ich vergewisserte mich mit einem Blick das sie noch gut zugedeckt war , nahm ihre Hand in die meine und hing dann wieder meinen Gedanken nach .Da war es wieder diese Präsenz .Fast war mir als hörte ich jemanden leise aber schwer atmen.Ich beugte mich zu der alten Dame , die jedoch atmete tief und flach.Kein Rasseln kein schwerer Atem .Aus den Augenwinkeln beobachtete ich die hintere Zimmerecke und mir war als sähe ich dort jemanden stehen - schemenhaft zwar, doch durchaus auszumachen .
Unbeweglich .
Nach sechs kam die Tochter um mich abzulösen und ich überlegte ob ich ihr von der Anwesenheit dieses *etwas* erzählen sollte, unterlies es aber um mich nicht lächerlich zu machen .
Ein letzter Blick in die Ecke und ich hörte eine Stimme in meinem Kopf die sagte : " wir gehn um zwölf "
Später am Nachmittag rief mich die Tochter an das die Mutter um zwölf verstorben sei. " komisch," sagte sie, wenn es nicht so hirnrissig klingen würde , dann würde ich sagen jemand hat sie mitgenommen, denn Mutter sagte : " siehst du ihn nicht den Gevatter , da hinten steht er und wartet in der Ecke ".