die Wand

Angefangen und nicht wider hingelegt bis ichs gelesen hatte.Ein absolutes WOW -Buch .Eine unsichtbare, undurchdringliche Wand, jenseits derer Totenstille herrscht, schiebt sich auf einmal zwischen das Tal, in dem die Ich-Erzählerin lebt, und die Außenwelt . . .
Ein unnachahmliches Gleichnis für das unüberwindliche Einsamsein.
carpe.com
Eine Frau ist auf sich gestellt und muß sich behaupten. Dieses zentrale Thema bei Marlen Haushofer -- wie man sich denken kann, auch in ihrem eigenen Leben -- wird in Die Wand zum Extrem getrieben. Damit ist eine vielversprechende Situation vorgegeben. Der weibliche Robinson bleibt ohne Namen. "Es fällt mir auf, daß ich meinen Namen nicht niedergeschrieben habe. Ich hatte ihn schon fast vergessen, und dabei soll es auch bleiben." Sie haust mit wenigen Tieren über zwei Jahre in den österreichischen Bergen und erkennt in dieser Zeit, "[I]ch [wurde] gezwungen, ein ganz neues Leben zu beginnen, aber was mich wirklich berührt, ist immer noch das gleiche wie früher: Geburt, Tod, die Jahreszeiten, Wachstum und Verfall." (Damit sind die einzigen Abwechslungen beschrieben. Die einzelnen Abschnitte sind gut geschrieben und für sich wunderbar zu lesen
In ihrem Buch beschreibt Marlen Haushofer die Geschichte einer Frau im mittleren Alter, die eines Tages eine Wand entdeckt, die ihr Leben komplett verändert und vor allem eines tut: Sie macht sie einsam.
Doch sie klagt nicht, sondern findet ihren eigenen Weg in dieser Einsamkeit. Vielleicht sollte man Tiere mögen, insbesondere Katzen und Hunde, wenn man dieses Buch liest. Ich selber habe eine Katze und konnte mir dieshalb viele Sequenzen dieses Buches lebhaft vorstellen und nachvollziehen.
Ein Buch, welches traurig macht. Nachdenklich. Besinnlich. Still und leise.
Die Tatsache, dass die Autorin bereits 1970 im Alter von 50 Jahren starb, macht dieses Buch für mich umso melancholischer. Es macht mich nachdenklich und läßt mih an Zeiten denken, in denen auch ich mich einsam fühlte. Wer kennt solche Zeiten nicht? Und was würden wir tun, wenn wir morgen aufwachen und um uns herum eine riesige Wand existieren würde? Würden wir weiterleben, ÜBERleben oder aber resignieren?
Ich glaube, um dieses Buch zu lesen, muss man ein wenig Einsamkeit zulassen. Wenn man das geschafft hat, kann man die Weite dieses Lebens besser schätzen. Und man muss Sehnsucht spüren können. Sehnsucht nach dem, was uns Menschen glücklich macht.
Ich habe gesehen, dass viele Rezensenten hier beschreiben, dass sie das Buch als langweilig angesehen haben. Ich denke, nur wenn man selber eine gewisse Art der Einsamkeit beim Lesen dieses Buches zuläßt, wird man es mit anderen Augen betrachten können.
Das Buch ist nicht spannend, nervenaufreibend oder gar lustig. Es führt uns lediglich dorthin, wo eigentlich niemand gerne ist..... an Grenzen....geschaffen von anderen Menschen oder aber auch von uns selber....
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Atemberaubend!,
| Von | zeilensprung - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 50 REVIEWER) |
Diese Rezension stammt von: Die Wand. (Taschenbuch)
Auch ich bin dank Elke Heidenreich auf Marlen Haushofers Hauptwerk gestoßen und habe ein wirklich atemberaubendes Lesewochenende hinter mir! Dieses Buch wird mich noch lange Zeit begleiten! Sie beschreibt mit einfachen Worten eine schier ausweglose Situation: Die Heldin fühlt sich auf einem Jagdausflug plötzlich von einer gläsernen Wand umgeben. Um sie herum scheint jegliches menschliches Leben ausgestorben und es dauert lange, bis sie endgültig begreift, dass ihr niemand helfen kann. In der Retrospektive liegt der besondere Reiz und auch die Spannung. Denn wie in einem Tagebuch erfahren wir, wie sie in den ersten zwei Jahren ihre Situation und die der mit ihr gefangenen Tiere meistert. Dabei erhält der Leser ein Lehrstück: Denn wie wenig es letztlich braucht und zugleich wieviel Stärke es verlangt, in einem solchen Ausnahmezustand zu überleben! Mir wird es in den nächsten Wochen sicher schwer fallen, etwas Eßbares weg zu werfen. Diese Rezension stammt von: Die Wand. (Taschenbuch)
Eine Frau wacht eines Morgens in einer abgelegenen Jagdhütte auf und stellt fest, dass sie von der übrigen Welt durch eine unsichtbare Wand getrennt ist; außerhalb des Areals, das diese Wand begrenzt, gibt es offensichtlich kein Leben mehr. Außer der Frau, deren rückblickende Aufzeichnungen wir nun lesen, scheint es innerhalb dieser "Insel" niemanden mehr zu geben (die Größe des ihr zugewiesenen Areals kann sie aber nicht bestimmen, sondern muss sich außerhalb ihres Wirkungskreises auf Vermutungen verlassen); mit einem Jagdhund, einer Katze und einer zugelaufenen Kuh muss sie sich nun aufs Überleben einrichten.Was zunächst wie eine moderne Robinsonade klingt und Sujets der Weltliteratur von der Arche Noah über Utopia und Robinson bis zur modernen Science Fiction aufgreift, lässt sich keineswegs ohne weiteres in eines der bekannten Genres einordnen, und gerade das macht seine Stärke aus.
Die Aufzeichnungen der namenlosen Frau (Namen haben im folgenden nur die Kuh, der Hund und zwei junge Katzen - "man (resp. woman) gave names to all the animals") berichten nämlich nicht nur von den kleinen Ereignissen in dieser "Neuen Welt", in der plötzlich alles aufs unmittelbare Überleben ausgerichtet sein muss, sie reflektieren auch ihr bisheriges Leben. Man merkt, es geht hier nicht nur darum, dass die Protagonistin nun, auf sich allein gestellt, irgendwie zurechtkommen muss, sondern es geht auch wortwörtlich um den Rückzug des Einzelnen aus der Welt.
Damit nicht genug: In die einfache, nüchterne Sprache, die sich am Überlebenskampf orientiert und in der die Dinge wieder bei ihren Namen genannt werden (auch dieses biblische Motiv eine Anleihe an die Paradiesgeschichte!), mischt sich von Anfang an eine namenlose und dadurch nicht näher fassbare Bedrohung des "Zwangs-Paradieses" von innen heraus; eine düstere Spannung bildet den Hintergrund für diesen Bericht vom existentiellen Leben.
Der Bericht ist, wie gesagt, aus der Rückschau geschrieben; seine Verfasserin deutet also immer wieder an, dass die diffus erahnte Katastrophe tatsächlich eintreten wird - doch auch danach wird das Leben in dieser "Insel" weitergehen, nun aber jenseits des Niedergeschriebenen und im Bewusstsein jederzeit möglicher konkreter Bedrohung.
Man kann dieses Buch auf viele verschiedene Arten und unter vielen Blickwinkeln lesen, auch das macht seinen Reiz aus: Man kann sich auf die bewusste Eingrenzung der Frau auf ihre eigenen Möglichkeiten, als Reaktion auf die aufgezwungene Ausgrenzung, konzentrieren, als weibliche Gegenutopie, die nicht nur von "außen", sondern auch immanent von (männlicher) Gewalt bedroht ist. Man kann den Bericht auch als eine Reflexion über Wesentliches auffassen, in dem Isolation von der Außenwelt nicht zu Eskapismus oder Wirklichkeitsferne führt; als Kulturkritik, in der das als "normal" Betrachtete in Frage gestellt wird; als Science Fiction; als Reflexion des Themenkomplexes "Paradies und Sündenfall"; als Parabel über die prinzipielle Isolation des Menschen (jeder andere Mensch ist ein potentieller Todfeind!) oder als Anti-Robinsonade...
Wie auch immer, dieses phantastisch geschriebene Buch wird jeden Leser lange in Atem halten: während der Lektüre und auch noch lange danach.
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