das Paradies ist weiblich
| Preis: | EUR 17,95 |
ich hab die Tage in der *Freundin* einen Artikel drüber gelesen , und weil ich mit Ky bei einer Diskusion
( mich graut - verroht die ganze Menschheit ? ) das Thema hatte, dachte ich mir, ich mach mich mal schlau drüber ;)
Das Buch gibt einen interessanten Einblick in die tibetanische Mosuo-Kultur, die ein einzigartiges Matriarchat lebt.
Allerdings war mir die Darstellung stellenweise nicht hinterfragend genug. Auch wurde für mich die spezielle ökologische Situation in dieser doch eher kärglichen Gegend, die eine solche gesellschaftliche Organisation als vorteilhaft erweisen lassen könnte, nicht ausreichend genug diskutiert. Ferner standen für mich biologische Aspekte zu sehr im Hintergrund.
Und schließlich wird auch noch sehr viel vom Lugu-See berichtet, dessen Umfeld im Internet aber gelegentlich bereits als Touristenfalle bezeichnet wird, während die ursprüngliche Mosuo-Kultur eher in den Bergdörfern gelebt werden soll. Entsprechend kann man auf Wikipedia von einem sich ausbreitenden Sex-Tourismus und einer Zunahme von Geschlechtskrankheiten lesen, denn welch wahrlich paradiesische Situation ist doch hier für den weit gereisten Mann von Welt anzutreffen: in freier Liebe eine Frau schwängern und keine Verantwortung tragen müssen?
Die Mosuo scheinen eine scharfe sexuelle Selektion (der weibliche Teil wählt den Fortpflanzungspartner) zu pflegen, wie sie im Tierreich weit verbreitet ist. Davon berichtete bereits Charles Darwin eingehend. Oft entstehen auf diese Weise keine wirklich dauerhaften Paarbindungen. Auch scheint die Unterdrückung der Information über die biologische Vaterschaft dann angeraten zu sein, wie Soziobiologen etwa anhand der Schimpansen deutlich machen konnten. Oft geht damit ein ausgesprochen promiskuitives Verhalten einher (die Weibchen haben Sex mit vielen Männchen), womit ich bei einem der Gründe angekommen bin, weswegen manch eine(r) bei dieser Kultur ins Schwärmen gerät.
In den meisten menschlichen Gesellschaften findet - anders als bei den Mosuo - vor langfristigen Bindungen (wie zum Beispiel der Ehe) eine beiderseitige Selektion statt.
Monatelang lebte der Journalist Ricardo Coler im Süden Chinas unter den Mosuo, um zu erforschen, wie eine Gesellschaft funktioniert, in der die Frauen das Sagen haben. Ein faszinierender, farbenfroher Bericht, der unsere Vorstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit auf den Kopf stellt. Mit Autorität und Charme bestimmen bei den Mosuo die Frauen, wo es langgeht: Sie arbeiten und tragen Verantwortung, sie stellen die Regeln für die Gemeinschaft auf, sie werden zum Oberhaupt der Großfamilie ernannt. Jeden Abend versammeln sich die Mosuo an den Ufern des Lugo-Sees zu einem Tanz, bei dem die Frau entscheidet, welcher Mann sie gegen Mitternacht aufsuchen darf. Nie leben Männer und Frauen hier als Paar zusammen, und da zur Familie nur zählt, wer blutsverwandt ist, wissen die Kinder nicht, was ein Vater ist. In einer »Besuchsehe«, wie die Mosuo eine Liebesbeziehung nennen, sind Eifersucht, sozialer Druck und Enttäuschungen unbekannt. Dieses Buch entführt seine Leser in die wunderbare Welt einer Gemeinschaft, die eine überraschend konfliktfreie Ordnung gefunden hat.
Über den Autor
Ricardo Coler wurde 1956 in Buenos Aires geboren. Er ist Arzt, Journalist und Fotograf. Seine Bildbände und Reportagen über matriarchalische und polygame Gesellschaftsformen sorgten in Argentinien für Furore.
Werbung