"The Gathering

Veröffentlicht auf von Raphaela

hab ich mir heut nacht angesehn war ein guer film.....



"The Gathering" ist ein Horrorfilm. Keiner, bei dem der Werwolf durch den Wald heult, sondern einer von der subtilen Sorte. Das Alltägliche wirkt bedrohend. Steckt hinter allem eine Verschwörung? Wem kann man noch trauen - oder hat man längst den Falschen zu viel erzählt? Regisseur Brian Gilbert warf 2002 die Nebelmaschine an und stellte ein interessantes Thema in den Mittelpunkt seines theologisch angehauchten Thrillers: den Voyeurismus. Das ZDF wiederholt die Schauermär und hofft auf jede Menge Schaulustige.

 

Mysteriöses geschieht in der kleinen britischen Gemeinde Ashby Wake. Eine verschüttete Kapelle aus frühester Christenzeit wird entdeckt. Darin enthalten: eine erstaunlich gut erhaltene Freske, die eine ungewöhnliche Kreuzigungsszene zeigt. Etwa zur gleichen Zeit taucht die junge Cassie Grant (Christina Ricci) in dem Örtchen auf - eine amerikanische Studentin, vermutlich. Im Grunde fällt sie aus heiterem Himmel geradewegs vor das Auto von Marion Kirkman (Kerry Fox). Weil die Mutter Schuldgefühle hat und Cassie nicht weiß wohin, zieht sie bei der Familie ein, kümmert sich um die beiden Kinder und ist so bezaubernd, dass es schon unnatürlich wirkt.

Der Vater der Familie (Stephen Dillane) ist Kunstexperte und forscht im Auftrag des Vatikans an der Bedeutung des rätselhaften Bildnisses. Dabei macht er eine erschreckende Entdeckung: Scheinbar wurden jene Schaulustige, die bei der Kreuzigung des Heilands anwesend waren, bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, den Katastrophen der Menschheitsgeschichte beizuwohnen. Schlimmer noch: Cassie will manche der Gaffer schon in Ashby Wake gesehen haben.

Nicht nur die Einführung ist so holprig wie die Straße, auf der Mrs. Kirkman fuhr. Trotz augenscheinlicher Amnesie wird ein Mädchen vom Krankenhaus auf die Straße gesetzt. Als wäre es nicht mehr als ein Händedruck, integriert sie sich in eine Familie mit einem traumatisierten Jungen, und auch die Wege, wie sie ihre Visionen zu erforschen sucht, werden mutwillig dekurviert. Dennoch lebt dieser Film von seiner schönen, spannungsreichen Atmosphäre und einer ausreichend schauerlichen Bildsprache. Und der ernsthafte Unterton, mit dem "The Gathering" die Themen Schaulust, Sensationsgier und Voyeurismus aus verschiedenen Perspektiven streift, merzt einige der Ausrutscher aus.

Alexander Franck

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Veröffentlicht in Fundstücke

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