Genkartoffel und Genmais kommen auf unsere Äcker

Veröffentlicht auf von Raphaela

EU-Kommission hat entschieden

Kartoffeln und Maiskolben

Das erste Produkt, dessen Handelsname es in einen Koalitionsvertrag schaffte, die genmanipulierte Kartoffel „Amflora“, schafft es nun auch in unseren Boden. Sie darf von nun an bei uns angebaut werden und der Papier- und Klebstoffindustrie als Stärkelieferant dienen. Abfälle der Kartoffel können an Tiere verfüttert werden.
Die Europäische Kommission gab dem Produkt von BASF CropScience nach jahrelangem Gerangel den Segen mit der Begründung, dass die Kartoffel der Papierindustrie helfen könne, Rohmaterialien, darunter Öl und Chemikalien, einzusparen.

In Wirklichkeit nützt Amflora niemandem außer BASF. Zum einen gibt es zwei andere gentechnikfreie Kartoffeln mit denselben Eigenschaften. Zum anderen bringt Gentechnik den Landwirten unter dem Strich keine Ersparnisse (siehe „Gentechnik – Landwirte und Verbraucher zahlen drauf“, raum&zeit Nr. 163). Dafür aber sind wir nun mit dem Risiko konfrontiert, dass sich Amfloras Gene über die Grenzen der dafür vorgesehenen Anbaufelder hinaus ausbreiten und sich mit natürlichen Pflanzen vermischen, was unabschätzbare Folgen für die Ökosysteme hätte. Selbst die zuständige Fachbehörde EFSA schloss die Kontamination von Lebensmitteln durch Anbau und Weiterverarbeitung nicht aus.
Weiterhin enthält die manipulierte Kartoffel auch ein Antibiotika-Resistenz-Gen, das die Wirkung lebenswichtiger Antibiotika gefährden könnte.
Aufgrund der hohen Risiken haben große Stärke-Hersteller wie Emsland Stärke GmbH oder Südstärke auch kein Interesse, Amflora anzubauen. Hier wird also eine Gen-Kartoffel gefördert, die niemand braucht und die auch niemand anbauen will.

Die Entscheidung für Amflora fällte die EU-Kommission, nachdem sich die Minister der 27 EU-Länder nicht einigen konnten. Nach bisherigem Recht ist dieser Entschluss nun auch für die Mitgliedstaaten bindend. Allerdings kündigte EU-Gesundheits-Kommissar John Dalli an, im Sommer einen Vorschlag zu unterbreiten, wie ein solches Zulassungsverfahren mit dem Recht der EU-Länder, für sich selbst zu entscheiden, kombiniert werden könnte. Bezüglich Amflora herrscht jedoch gegenwärtig frohe Eintracht zwischen schwarz-gelber Nationalregierung und EU. „Der Anbau der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora für eine kommerzielle, industrielle Verwertung wird unterstützt“, hieß es bereits im Koalitionsvertrag. Und das obwohl es laut einer Forsa-Umfrage von 2009 85 Prozent aller Bundesbürger ablehnen, dass Tiere mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden.
BASF jedenfalls fühlt sich beflügelt. Noch in diesem Jahr will der Konzern zwei weitere Gen-Kartoffeln beantragen.

Auch Konkurrent Monsanto freut sich: Mit der Zulassung von Amflora wurden auch die Genehmigungen verlängert für Einfuhr und Verarbeitung dreier genmanipulierter und genauso überflüssiger Maissorten, darunter MON810. Zwar dürfen diese Sorten in Europa nicht angebaut werden, aber anders als Amflora auch zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden.
Das „Unternehmen des Jahres 2010“ (Forbes Magazin über Monsanto – ernsthaft) erwägt nun auch noch, dem vor fünf Jahren eingestellten genmanipulierten Weizen eine zweite Chance zu geben. Ausschlaggebend sei die UN-Schätzung einer steigenden Nachfrage nach Weizen. Anders als die erste Generation von „Roundup Ready Weizen“ soll der nächste Weizen auch Dürre und Krankheiten besser überstehen können. Hilfsorganisationen wie Misereor oder FIAN plädieren dagegen dafür, Saatgut lokal zu züchten, um örtliche Gegebenheiten berücksichtigen zu können (siehe „Hunger nach Profit“, raum&zeit Nr. 164).

Der Erfolg der Genindustrie ist der Landwirte Leid: Ein Sack genmanipuliertes Soja „Roundup Ready 2“ wird 2010 satte 42 Prozent mehr kosten als im Vorjahr. Das sind rund 60 Prozent mehr als konventionelles Saatgut. Bei Mais ist der Preisunterschied noch höher. Kurz vor Redaktionsschluss wurde bekannt dass die Umweltorganisa-tionen Greenpeace mit einer Rechtsexpertise gegen den EU-Beschluss vorgehen wird.Die Nichtregierungsorganisation Avaaz.org sammelt Unterschriften für ein Moratorium gegen die Verbreitung von genmanipulierten Pflanzen und Lebensmitteln. Es werden mindestens eine Million benötigt, um bei der Europäischen Kommission offiziell eingereicht werden zu können.

 

Unterzeichnet kann werden auf der Homepage der Organisation: www.avaaz.org.    (AF/NB)

 

 

Quellen: Europäische Kommission, oe24.at, Rheinischer Merkur vom 7.1.2010, soilassociation.org, AFP, 3.3.2010; Süddeutsche Zeitung, 4.3.2010

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Veröffentlicht in friedvolle Krieger

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