Neutrinos aus Erdinnern nachgewiesen

Physiker der so genannten Borexino-Gruppe haben in einem Messtank im Gran-Sasso-Massiv in den Apenninen (Italien) erstmals Neutrinos aus dem Erdinnern nachgewiesen. Neutrinos sind äußerst schwer detektierbar. Zwei Jahre Messung ergaben 15 schwache Lichtblitze, die die Forscher nun auf „Geo-Neutrinos” zurückführen.
Dabei handelt es sich um Antielektron-Neutrinos, die beim Zerfall von Radioisotopen der Elemente Kalium, Uran und Thorium im Erdinneren entstehen sollen. Selbst dichtest gepackte Materie ist für diese „Geis-terteilchen“ so gut wie durchsichtig. Die Physiker mussten für den Nachweis eine extrem ausgefeilte Abschirmungstechnik verwenden. Der Detektor beinhaltet 278 Tonnen einer organischen Flüssigkeit, die in Form einer 8,5 Meter messenden Kugel in einem Wassertank ruht – das alles 1000 Meter tief unter Gestein.
Bei der Reaktion eines Geo-Neutrinos mit einem Wasserstoffkern der Flüssigkeit entstehen ein Antielektron und ein Neutron, die beide Leuchtspuren in der Flüssigkeit hinterlassen. Über 2200 Lichtdetektoren erfassten nun in den zwei Jahren insgesamt 21 Lichtblitze. Fünf davon, mutmaßen die Forscher, stammen aus Kernreaktoren in Europa, ein Lichtblitz geht wahrscheinlich auf Hintergrundstrahlung zurück.
Die Nachweisrate passt zu unterschiedlichen geophysikalischen Modellen. So könnte die Wärmeentwicklung im Erdinnern ausschließlich durch einen natürlichen Kernreaktor mit einer maximalen Leistung von drei Terawatt bedingt sein. Die Ergebnisse gestatten aber auch die Annahme weiterer Energiequellen im Erdinneren. (DS)
Quelle: http://www.scienceticker.info